Grave of the fireflies

Ich habe mir letztens den Film “Grave of the fireflies” (in deutscher Übersetzung “Die letzten Glühwürmchen”) angeschaut. Ein wirklich guter, aber erschütternder Antikriegfilm aus Japan. Leider verstehe ich nicht, warum dieser Anime als Kinderfilm bezeichnet wird — ich erkläre noch warum.

Der Antikriegsfilm basiert auf der autobiografischen Geschichte von Akiyuki Nosaka, dessen Schwester im zweiten Weltkrieg verhungerte. Die FSK gibt den Film ab 6 frei, jedoch rät das Lexikon des internationalen Films dazu, ihn erst ab 16 zu zeigen. Es ist einfach schwer zu verdauen, was man da sieht.

Die Handlung beginnt mit einer einfachen Aussage des Jungen Seita:
“Heute ist der 21. September 1945. Die Nacht, an der ich gestorben bin.” Seita wird mit seiner kleinen Schwester Setsuko bei einem Bombenangriff auf Kobe von seiner Mutter getrennt, die wenig später an ihren schweren Brundwunden stirbt. Von einer Tante nur halbherzig aufgenommen und ständig gemein behandelt beschliesst er, mit Setsuko fortzugehen und nistet sich mit ihr in einem alten Stollen ein. Zunächst scheint die Situation nicht allzu schlecht für sie zu sein, doch dann tauchen die ersten Probleme auf. Seita muss anfangen zu stehlen und plündert bei Bombenangriffen Häuser aus, um genug Nahrung für sich und seine Schwester zu finden. Doch schlussendlich stirbt Setsuko an Unterernährung. Verzweifelt geht Seita in die Stadt, wo er erfährt, das sein Vater (ein Marineoffizier) in der Schlacht gefallen ist und Japan bedingungslos kapituliert hat. Er verliert jeden Lebensmut und stirbt schliesslich unbeachtet auf einem Bahnsteig.

So einfach die vermittelte Aussage des Films ist, umso drastischer wird sie vermittelt. Zwar gibt es durchaus auch wirklich schöne Szenen wie die, wo Seita Glühwürmchen fängt und unters Moskitonetz sperrt, weil Setsuko Angst im Dunkeln hat. Doch ständig und immer häufiger werden diese kleinen Lichtblicke durch das größer werdende Unglück der beiden gestört. Von der hartherzigen Tante bis hin zu der Szene, wo Setsuko stirbt: völlig entkräftet und fiebernd bietet sie ihrem Bruder Dreckklumpen an, da sie denkt, diese wären Reisbällchen. Nachdem Seita sie mit einem Stückchen Melone gefüttert hat und sich vom (richtigen) Reiskochen umdreht, ist die Vierjährige tot.

Erschreckend an dem Film ist die drastische Darstellung des Themas. Uns allen ist bewusst, das im Krieg damals viele Leute und natürlich auch Kinder Hunger und Not leiden mussten, aber die Schilderung von Seitas und Setsukos Schicksal rührt einen zu Tränen. Zumal man immer im Hinterkopf hat, dass das eine an realen Vorkommnissen orientierte Geschichte ist, was das alles noch trauriger macht. Auch die Offenheit der Bilder (da wird die in blutige Binden gehüllte und von Maden befallene Leiche der Mutter in eine Grube geworfen und verbrannt) schockiert und zerstört die anfängliche Ruhe des “Kinderfilms” nachhaltig.

Rein technisch gesehen ist “Grave ofthe fireflies” ein Film in schönster Studio Ghibli-Manier und wirklich gut gemacht. Rein von Hand gezeichnet und nur spärlich oder fast gar nicht mit Computeranimationen versehen folgt er anderen Filmen von Hayao Miyazaki (“Prinzessin Mononoke”, “Das wandelnde Schloss”, “Chihiros Reise ins Zauberland”).

Schaut euch den Film an (mit einer großen Packung Tempos neben euch, ich hab zum Schluss echt geheult wie ein Schlosshund), allerdings vermeidet den Film wie auf der Packung empfohlen Kindern zu zeigen. Ich schließe mit dem Internationalen Lexikons des Films an und würde den Film nicht Kindern unter 16 Jahren zeigen.

Dieser Beitrag wurde unter Interessen abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Grave of the fireflies

  1. Falls jemand einen Eindruck der Szenen bekommen möchte sollte sich dieses Video anschauen. Achtung, Spoiler!

    Youtube

  2. Christian sagt:

    Ein Kinderfilm ist “Letzte Glühwürmchen” ganz sicher nicht. FSK 6 ist er erst recht nicht! Die ham sich bestimmt gedacht: Achja süßer Zeichentrick das passt scho… Unfassbar, der Film ist echt harter Tobak, ich musst zwar nicht heulen, aber ein Kloß im Hals hatte ich auch.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>